Hintergrund · 6 Min. Lesezeit

Wo die meisten Nachfolgen anstehen: Betriebe mit 5 bis 100 Mitarbeitenden

Nicht der Konzern, sondern der Betrieb mit 20 oder 60 Leuten sucht in den nächsten Jahren am häufigsten eine Nachfolge. Warum genau hier die Chance für Nachfounder liegt.

Verwischtes Foto eines mittelständischen Betriebsgebäudes

Wenn von Unternehmensnachfolge die Rede ist, denken viele an große Familienkonzerne. Die meisten Übergaben passieren aber woanders: in inhabergeführten Betrieben mit einer Handvoll bis rund hundert Mitarbeitenden. Genau dort fehlen Nachfolger:innen am stärksten, und genau dort lohnt sich ein genauer Blick.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis Ende 2029 wollen rund 545.000 mittelständische Unternehmen ihre Nachfolge regeln (KfW Nachfolge-Monitoring 2025).
  • Der durchschnittlich erwartete Kaufpreis liegt bei rund 499.000 Euro. Das ist eine Größenordnung, die eine einzelne Person mit Bank und Förderung finanzieren kann.
  • Der Kern liegt bei Betrieben mit etwa 5 bis 100 Mitarbeitenden: groß genug zum Leben, klein genug zum Übernehmen.
  • Größere Betriebe sind möglich, brauchen aber meist ein Team oder zusätzliches Kapital.

Wie viele Nachfolgen stehen an?

Die KfW befragt regelmäßig Inhaber:innen im Mittelstand. Ergebnis der aktuellen Auswertung: Bis Ende 2029 wollen rund 545.000 Unternehmen eine Nachfolge regeln (KfW Nachfolge-Monitoring 2025). Das IfM Bonn rechnet anders und kommt für 2026 bis 2030 auf rund 186.000 übergabereife Familienunternehmen (IfM Bonn). Beide Zahlen messen Unterschiedliches und lassen sich nicht zusammenzählen. Sie zeigen aber dieselbe Richtung: Es geht um sehr viele Betriebe, und die allermeisten davon sind klein.

Zur Einordnung: Nach der Definition der EU gelten Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Millionen Euro Umsatz als kleine und mittlere Unternehmen. Ein Großteil der Nachfolgefälle liegt weit unterhalb dieser Grenze.

Warum der Kaufpreis die Größe bestimmt

Laut KfW erwarten Inhaber:innen für Übergaben bis 2029 im Schnitt rund 499.000 Euro (KfW Nachfolge-Monitoring 2025). Diese Summe lässt sich typischerweise aus etwas Eigenkapital, einem Bankkredit, Förderkrediten und einem Verkäuferdarlehen zusammensetzen. Je größer der Betrieb, desto schneller wächst der Preis in Millionenhöhe. Dann reicht diese Mischung für eine einzelne Person meist nicht mehr.

Drei Größen, drei Wege

  • Unter 5 Mitarbeitenden: Oft eng mit der Person der Inhaber:in verbunden. Möglich, wenn der Gewinn für Lebensunterhalt und Kreditrate reicht.
  • 5 bis 100 Mitarbeitende: Der Kern einer Nachfolgegründung. Ein eingespieltes Team, Stammkunden und ein Preis, den eine Person stemmen kann.
  • 100 bis 250 Mitarbeitende und mehr: Gut machbar mit einem Team aus Nachfolger:innen, dem bestehenden Management oder Beteiligungskapital. Hier lohnt der Blick auf jeden Einzelfall.

Warum gerade diese Betriebe Nachfolger:innen brauchen

Große Unternehmen finden Käufer über Finanzinvestoren, Konzerne oder spezialisierte Berater:innen. Für einen Betrieb mit 30 Mitarbeitenden interessiert sich dieser Markt selten. Gleichzeitig ist er zu groß, um ihn nebenbei zu übernehmen. In dieser Lücke stehen viele gesunde Betriebe ohne Nachfolge da.

Dazu kommt: In kleineren Betrieben steckt viel Wissen im Kopf der Inhaber:in, und das Loslassen ist persönlich. Deshalb braucht es hier nicht nur eine Finanzierung, sondern eine Vorbereitung auf beiden Seiten. Die Nachfolger:in muss fit für den Betrieb werden, und der Betrieb fit für die Nachfolge.

Was das für Nachfolger:innen heißt

Wer gründen will, ohne bei null anzufangen, findet in dieser Größe den besten Einstieg: Kunden, Team und Cashflow ab Tag eins, bei einem Preis, der realistisch finanzierbar ist. Wer aus der Startup-Welt kommt, bringt Tempo und neue Ideen mit, die solche Betriebe oft gut gebrauchen können. Mit dem Finanzierungsrechner lässt sich früh prüfen, welcher Rahmen zu dir passt.

Was das für Inhaber:innen heißt

Wenn dein Betrieb in diese Größe fällt, bist du nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Und du hast gute Chancen, eine Person zu finden, die ihn mit eigenem Unternehmergeist weiterführt. Der Nachfolge-Check hilft dir, den eigenen Stand einzuordnen. Auch bei größeren Betrieben sprechen wir gern über den Einzelfall.

Fazit

Die Nachfolgewelle im Mittelstand ist vor allem eine Welle kleiner und mittlerer Betriebe. Für Nachfolger:innen mit Gründergeist liegt hier die größte Chance, für Inhaber:innen die beste Aussicht auf einen zweiten Akt für ihr Lebenswerk.

FAQ

Häufige Fragen

Für welche Betriebsgröße eignet sich eine Nachfolgegründung am besten?

Für inhabergeführte Betriebe mit etwa 5 bis 100 Mitarbeitenden. Sie sind groß genug, um davon zu leben, und klein genug, damit eine einzelne Person oder ein kleines Team sie übernehmen und finanzieren kann.

Kann man auch größere Unternehmen als Nachfolger:in übernehmen?

Ja, aber meist nicht allein. Ab etwa 100 bis 250 Mitarbeitenden braucht es oft ein Team, das bestehende Management oder Beteiligungskapital. Jeder Fall ist anders und lässt sich einzeln prüfen.

Wie viele Unternehmen suchen in Deutschland eine Nachfolge?

Laut KfW wollen bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen ihre Nachfolge regeln. Das IfM Bonn schätzt für 2026 bis 2030 rund 186.000 übergabereife Familienunternehmen. Die Zahlen sind unterschiedlich abgegrenzt und dürfen nicht addiert werden.

Was kostet ein kleiner Betrieb bei einer Übernahme?

Laut KfW erwarten Inhaber:innen für Übergaben bis 2029 im Schnitt rund 499.000 Euro. Das ist ein Durchschnitt, der einzelne Preis hängt vom Gewinn und davon ab, wie gut der Betrieb ohne die Inhaber:in läuft.

Ist ein Betrieb mit weniger als 5 Mitarbeitenden zu klein?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob der Gewinn reicht, um davon zu leben und gleichzeitig die Finanzierung zurückzuzahlen. Das lässt sich mit dem Finanzierungsrechner gut abschätzen.

Kontakt

Kunden, Team, Cashflow. Ab Tag eins.