Unternehmensnachfolge finanzieren: So bezahlst du die Übernahme
Wie du eine Firmenübernahme finanzierst: Eigenkapital, Hausbank, KfW-Förderkredite, Bürgschaftsbank, Verkäuferdarlehen und Earn-out verständlich erklärt.

Eine Unternehmensnachfolge wird fast nie aus einem einzigen Topf bezahlt. Typisch ist ein Mix aus Eigenkapital, Bankkredit, Förderdarlehen und einem Verkäuferdarlehen des bisherigen Inhabers. Der große Vorteil gegenüber einem Startup: Der Betrieb verdient schon Geld. Genau aus diesem Cashflow zahlst du die Finanzierung zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Plane die Finanzierung aus mehreren Bausteinen, nicht aus einem.
- Förderkredite der KfW gibt es ausdrücklich auch für Übernahmen. Beantragen musst du sie vor dem Start, über deine Hausbank.
- Ein Verkäuferdarlehen senkt deinen Kapitalbedarf und macht Banken zuversichtlicher.
- Eine VC-Runde brauchst du dafür in der Regel nicht.
Baustein 1: Eigenkapital
Etwas eigenes Geld gehört fast immer dazu. Es zeigt der Bank, dass du selbst ins Risiko gehst. Wie viel es sein muss, hängt vom Kaufpreis, von deiner Erfahrung und von den Sicherheiten ab. Mit Förderkrediten und Bürgschaften sind auch Finanzierungen mit einem kleineren Eigenanteil machbar.
Baustein 2: Bankkredit mit KfW-Förderung
Die Hausbank ist bei Übernahmen dein wichtigster Partner, denn über sie laufen auch die Förderkredite. Zwei Programme sind besonders relevant:
ERP-Gründerkredit StartGeld (067): Seit Ende 2025 finanziert die KfW damit Vorhaben mit bis zu 200.000 Euro, ausdrücklich auch die Übernahme eines Betriebs (KfW). Voraussetzung ist, dass das Unternehmen klein im Sinne der EU ist, also weniger als 50 Beschäftigte und höchstens 10 Millionen Euro Jahresumsatz hat. Die KfW übernimmt einen Teil des Ausfallrisikos der Bank, dadurch sagen Banken auch bei geringen Sicherheiten eher zu (KfW, Programm 067/)).
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077): Für größere Vorhaben gibt es bis zu 500.000 Euro, abgesichert mit der Garantie einer Bürgschaftsbank (KfW, Programm 077/)).
Wichtig: Den Förderkredit beantragst du über deine Bank, bevor du mit dem Vorhaben beginnst. Wer erst unterschreibt und dann Förderung sucht, geht oft leer aus. Zusätzlich lohnt ein Blick auf die Förderbanken und Bürgschaftsbanken deines Bundeslandes.
Baustein 3: Verkäuferdarlehen
Beim Verkäuferdarlehen stundet der bisherige Inhaber einen Teil des Kaufpreises. Du zahlst ihn über mehrere Jahre aus den Erträgen des Betriebs zurück. Das hat drei Vorteile:
- Du brauchst weniger Geld von der Bank.
- Die Bank sieht, dass der Verkäufer an die Zukunft des Betriebs glaubt.
- Der Verkäufer bleibt motiviert, die Übergabe gut zu begleiten.
In der Praxis ist das Verkäuferdarlehen bei kleinen und mittleren Übernahmen einer der wichtigsten Bausteine überhaupt.
Baustein 4: Earn-out
Beim Earn-out hängt ein Teil des Kaufpreises davon ab, wie sich der Betrieb nach der Übergabe entwickelt. Das hilft, wenn ihr euch beim Preis nicht einig seid. Der Verkäufer bekommt mehr, wenn es gut läuft, und du zahlst weniger, wenn die Erwartungen nicht eintreten. Die Kriterien müssen dafür sehr klar definiert sein. Hol dir hier unbedingt anwaltliche Unterstützung.
Baustein 5: Beteiligungskapital
Bei größeren Betrieben können Business Angels, stille Beteiligungen oder mittelständische Beteiligungsgesellschaften die Lücke zwischen Eigenkapital und Kredit schließen. Anders als bei Startups geht es hier nicht um Hyperwachstum, sondern um solide Rückzahlung. Achte darauf, wie viele Anteile und Mitspracherechte du abgibst.
Ein vereinfachtes Beispiel
Ein Betrieb soll 450.000 Euro kosten. Eine mögliche Struktur:
- Eigenkapital. Betrag: 50.000 €.
- Verkäuferdarlehen. Betrag: 100.000 €.
- Förderkredit über die Hausbank, mit Bürgschaft. Betrag: 300.000 €.
- Summe. Betrag: 450.000 €.
Das ist nur eine Illustration. Die richtige Struktur hängt von Ertragskraft, Sicherheiten und deiner Situation ab und sollte mit Bank und Steuerberatung erarbeitet werden.
So gehst du vor
- Kaufpreis und Ertragskraft realistisch einschätzen lassen.
- Früh mit zwei bis drei Banken sprechen, nicht nur mit einer.
- Förderprogramme mit der Bank prüfen, bevor du etwas unterschreibst.
- Mit dem Verkäufer über ein Verkäuferdarlehen sprechen.
- Einen Finanzplan erstellen, der zeigt, wie die Raten aus dem Cashflow bezahlt werden.
FAQ
Häufige Fragen
Wie finanziere ich eine Unternehmensnachfolge?
Meist aus mehreren Bausteinen: etwas Eigenkapital, ein Bankkredit, oft mit KfW-Förderung und Bürgschaft, dazu ein Verkäuferdarlehen des bisherigen Inhabers.
Fördert die KfW auch Übernahmen?
Ja. Der ERP-Gründerkredit StartGeld und der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge sind ausdrücklich auch für die Übernahme von Unternehmen gedacht. Beantragt wird über die Hausbank, und zwar bevor das Vorhaben startet.
Was ist ein Verkäuferdarlehen?
Der bisherige Inhaber stundet einen Teil des Kaufpreises. Du zahlst ihn in Raten aus den laufenden Erträgen ab. Das senkt deinen Kapitalbedarf und zeigt der Bank, dass der Verkäufer an den Betrieb glaubt.
Wie viel Eigenkapital verlangen Banken?
Das ist von Bank zu Bank verschieden. Förderkredite mit Haftungsfreistellung oder Bürgschaft machen Finanzierungen auch mit wenig Eigenkapital möglich. Sprich früh mit mehreren Banken.
Brauche ich Venture Capital für eine Übernahme?
In der Regel nicht. Übernahmen werden aus dem Cashflow des Betriebs zurückgezahlt und deshalb meist über Kredite finanziert, nicht über Beteiligungskapital.

