Das mymuesli-Comeback: Warum gewachsene Unternehmen Gründergeist brauchen
Max Wittrock ist als CEO zu mymuesli zurückgekehrt. Ist das eine Nachfolge? Eine Einordnung und fünf Lektionen für alle, die ein bestehendes Unternehmen übernehmen wollen.

Im Juli 2026 ist Max Wittrock als CEO zu mymuesli zurückgekehrt, dem Unternehmen, das er 2007 mitgegründet hat. Eine klassische Unternehmensnachfolge ist das nicht. Aber der Fall zeigt sehr gut, worum es bei Nachfolge im Kern geht: Ein gewachsenes Unternehmen braucht in einer neuen Phase wieder unternehmerische Energie an der Spitze.
Das Wichtigste in Kürze
- Wittrock führt mymuesli wieder als Vorstandsvorsitzender. Die Mehrheit am Unternehmen hält Katjes Greenfood.
- Es ist ein Führungswechsel, keine Übergabe des Eigentums, und damit keine Nachfolge im engeren Sinn.
- Die Botschaft dahinter ist trotzdem eine Nachfolge-Botschaft: Etablierte Unternehmen brauchen Gründergeist.
- Genau diesen Gründergeist können Gründer:innen in den Mittelstand bringen, wenn sie einen Betrieb übernehmen.
Was passiert ist
Wittrock hatte mymuesli 2007 mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss gegründet und bis Ende 2019 als Co-CEO geführt. Danach zog er sich zurück, seine Mitgründer übernahmen seine Anteile und wechselten später selbst in den Aufsichtsrat (Markenartikel). Seit 2024 ist Katjes Greenfood Mehrheitsgesellschafter. Die drei Gründer halten zusammen 44 Prozent der Anteile (foodaktuell).
Am 27. Juli 2026 übernahm Wittrock wieder den Vorstandsvorsitz, nur rund ein halbes Jahr nach dem Start seines Vorgängers (StartingUp). Die Rückkehr fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase mit Umsatz- und Gewinnrückgängen. Wittrock selbst sagt, das Unternehmen brauche jetzt „vielleicht wirklich ein bisschen was wieder von diesem Gründergeist“ (Table.Briefings).
Ist das eine Nachfolge?
Hier hilft eine kurze Unterscheidung. Nachfolge hat zwei Ebenen:
- Was geht über?. Führungsnachfolge: die Geschäftsführung. Eigentumsnachfolge: die Anteile.
- Beispiel. Führungsnachfolge: ein neuer CEO wird eingesetzt. Eigentumsnachfolge: eine Nachfolgerin kauft den Betrieb.
- mymuesli 2026. Führungsnachfolge: ja. Eigentumsnachfolge: nein.
Im Mittelstand passiert bei einer Übergabe meist beides gleichzeitig: Wer übernimmt, kauft den Betrieb und führt ihn. Bei mymuesli hat Wittrock die Führung übernommen, die Mehrheit bleibt beim Investor. Es ist also ein Führungswechsel, kein Nachfolgefall im klassischen Sinn.
Spannend ist der Fall trotzdem. Denn er zeigt eine Idee, die für Nachfolge im Mittelstand zentral ist.
Fünf Lektionen für alle, die übernehmen wollen
1. Gründergeist ist in reifen Unternehmen ein echter Wert.
Wenn ein Unternehmen stagniert, reicht Verwaltung nicht mehr. Dann braucht es jemanden, der Entscheidungen trifft, Dinge ausprobiert und Verantwortung übernimmt. Genau das bringen Gründer:innen mit, auch in einen Betrieb, den sie nicht selbst gegründet haben.
2. Erst die DNA verstehen, dann verändern.
Wittrock kennt die Geschichte und die Werte von mymuesli wie kaum jemand. Wer einen fremden Betrieb übernimmt, hat diesen Vorsprung nicht. Deshalb sind die ersten Monate nach einer Übernahme vor allem zum Zuhören da: Warum sind die Kunden seit Jahren treu, was ist dem Team wichtig, was darf auf keinen Fall verloren gehen?
3. Masterplan und Tagesgeschäft laufen parallel.
Wittrock beschreibt, dass eine neue Produkt- und Markenstrategie Zeit braucht, während das Tagesgeschäft jede Woche Ergebnisse verlangt. Das kennt jede Nachfolgerin und jeder Nachfolger. Der Betrieb muss am Montag weiterlaufen, auch wenn der große Plan noch nicht fertig ist.
4. Nähe zu Kunden und Team schlägt Technik.
Die Rückkehr wird als bewusste Kurskorrektur hin zu Marke, Community und direktem Austausch beschrieben. Für Übernahmen im Mittelstand gilt dasselbe: Digitalisierung und KI sind starke Hebel, aber sie wirken erst, wenn Kunden und Mitarbeitende der neuen Führung vertrauen.
5. Offen sagen, wo es hakt.
Wittrock will offen über die Herausforderungen sprechen, mit Team und Community. Ehrlichkeit ist auch bei Übernahmen ein unterschätzter Erfolgsfaktor, gegenüber dem Team, den Kunden und der Bank.
Was das für den Mittelstand bedeutet
In Deutschland suchen hunderttausende Betriebe eine Nachfolge, und immer mehr wollen schließen, weil sich niemand findet (KfW). Viele dieser Betriebe stehen an einem ähnlichen Punkt wie mymuesli: Das Geschäft funktioniert, aber es braucht einen neuen Schub an der Spitze.
Nur kommt dort selten der eigene Gründer zurück. Die Chance liegt bei Menschen, die schon einmal etwas aufgebaut haben und jetzt bereit sind, einen bestehenden Betrieb zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Im Unterschied zum mymuesli-Fall übernehmen sie dabei meist beides: die Führung und das Eigentum. Das nennt man Management-Buy-in oder, aus Gründersicht, Gründen durch Übernahme.
FAQ
Häufige Fragen
Ist die Rückkehr von Max Wittrock zu mymuesli eine Unternehmensnachfolge?
Im engeren Sinn nicht. Wittrock hat die Führung übernommen, aber nicht die Mehrheit am Unternehmen, die liegt bei Katjes Greenfood. Es ist ein Führungswechsel an der Spitze, keine Übergabe des Eigentums.
Was ist der Unterschied zwischen Führungs- und Eigentumsnachfolge?
Bei der Führungsnachfolge übernimmt jemand die Geschäftsführung. Bei der Eigentumsnachfolge gehen auch die Anteile über. Bei einer klassischen Unternehmensnachfolge im Mittelstand passiert oft beides gleichzeitig.
Was ist ein Management-Buy-in?
Eine externe Person kauft sich in ein Unternehmen ein und übernimmt gleichzeitig die Führung. Für Gründer:innen, die einen Betrieb übernehmen, ist das der typische Weg.
Warum passen Gründer:innen gut zu etablierten Unternehmen?
Weil gewachsene Unternehmen in schwierigen Phasen oft genau das brauchen, was Gründer:innen mitbringen: Tempo, Nähe zu Kunden, Mut zu Entscheidungen und neue Ideen.

