Hintergrund · 8 Min. Lesezeit

Die Nachfolgelücke: Warum gesunde Betriebe schließen

Bis Ende 2029 planen 569.000 Mittelständler, ihren Betrieb aufzugeben. Nicht weil er schlecht läuft, sondern weil niemand da ist, der weitermacht.

Verwischte Straße in kühlen Blautönen

Die Nachfolgelücke beschreibt eine einfache, aber folgenreiche Lage: In Deutschland wollen mehr mittelständische Inhaber:innen ihren Betrieb aufgeben, als Menschen bereitstehen, ihn weiterzuführen. Betroffen sind nicht vor allem Betriebe in der Krise. Betroffen sind oft gesunde Unternehmen mit festen Kund:innen, eingespieltem Team und laufendem Geschäft.

Der Mittelstand trägt Deutschland. Und er wird älter. Nach Daten von KfW Research sind 57 Prozent der mittelständischen Inhaber:innen 55 Jahre oder älter. Vor rund 20 Jahren lag dieser Anteil bei etwa 20 Prozent. Diese Verschiebung ist der Kern des Problems.

Die Zahlen im Überblick

Das KfW-Nachfolge-Monitoring zeigt, wie groß die Lücke inzwischen ist:

  • 545.000 Betriebe wollen bis Ende 2029 eine Nachfolge regeln. Das sind rund 109.000 pro Jahr.
  • 569.000 Betriebe planen im selben Zeitraum, ganz aufzuhören. Das sind rund 114.000 pro Jahr.
  • Zum ersten Mal planen damit mehr Betriebe die Schließung als die Übergabe.
  • Kurzfristig, bis Ende 2026, wollen laut KfW rund 243.000 Betriebe ohne Nachfolge schließen, rund 186.000 streben eine Übergabe an.

Wichtig ist die Einordnung: Nicht jede geplante Schließung ist ein Verlust. Manche Betriebe hängen stark an einer Person oder haben kein tragfähiges Geschäft mehr. Aber ein großer Teil der Schließungen betrifft Unternehmen, die mit der richtigen Person weiterlaufen könnten.

Warum Betriebe ohne Nachfolge schließen

Der häufigste Grund für Schließungspläne ist das Alter. Fast die Hälfte der Befragten mit Schließungsplänen sagt, dass in der Familie niemand weitermachen will. Die klassische Familiennachfolge, früher der Normalfall, trägt nicht mehr so selbstverständlich wie in früheren Generationen.

  • Die Kinder haben eigene Berufe und Lebenspläne.
  • Externe Kandidat:innen kennen den Betrieb nicht und der Betrieb kennt sie nicht.
  • Die Suche beginnt oft zu spät, wenn nur noch wenig Zeit für Kennenlernen und Einarbeitung bleibt.
  • Bürokratie wird als Hürde stärker wahrgenommen. Laut KfW nannten 2025 rund 42 Prozent sie als Grund gegen das Weitermachen, 2023 waren es 22 Prozent.
  • Kaufpreise sind gestiegen. Laut KfW liegt der durchschnittliche Kaufpreis bei rund 499.000 Euro, 2019 waren es 372.000 Euro.

Was verloren geht, wenn ein Betrieb schließt

Ein Betrieb, der schließt, nimmt mehr mit als einen Namen am Briefkasten. Er nimmt Kund:innen mit, die sich neu orientieren müssen. Er nimmt Arbeitsplätze mit, oft in Regionen, in denen es nicht viele Alternativen gibt. Und er nimmt Wissen mit: über Kund:innen, Material, Abläufe und Menschen.

Vieles davon ist über Jahrzehnte gewachsen. Es lässt sich nicht einfach neu gründen. Wer heute ein Unternehmen aufbaut, braucht Jahre, bis Kund:innen vertrauen, ein Team eingespielt ist und das Geschäft trägt. Ein bestehender Betrieb hat diese Jahre schon hinter sich.

Die andere Seite: Menschen, die unternehmerisch arbeiten wollen

Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die unternehmerisch arbeiten wollen: Gründer:innen, Ex-Gründer, erfahrene Führungskräfte. Die meisten von ihnen fangen bei null an, obwohl nebenan ein Betrieb mit Kund:innen und Team auf jemanden wartet. Die Lücke ist also weniger ein Mangel an Menschen als ein Mangel an Verbindung.

Dazu kommt ein unterschätztes Potenzial: Frauen übernehmen in Deutschland nur rund 21 Prozent der Nachfolgen. Mehr dazu im Beitrag Unternehmensnachfolge: Wie sie funktioniert.

Wie sich die Nachfolgelücke schließen lässt

  • Früher planen. Wer fünf Jahre vor dem Wunschtermin beginnt, hat Auswahl und Zeit.
  • Übernahme als Gründung verstehen. Wer übernimmt, ist Unternehmer:in, nicht Verwalter:in.
  • Externe Nachfolge normal machen. MBO und Verkauf an Externe sind laut KfW schon heute häufige Wege.
  • Passung vor Preis. Ob Werte und Pläne zusammenpassen, entscheidet oft mehr als die Zahl im Vertrag.
  • Begleitung in Etappen. Kennenlernen, Prüfung, Übergabe und die ersten Monate danach.

Was Nachfounder dazu beiträgt

Nachfounder ist ein Programm wie ein Accelerator, nur für Unternehmen, die es schon gibt. Wir bereiten Nachfolger:innen auf die Übernahme vor, bringen sie mit passenden Betrieben zusammen und begleiten den Weg in Etappen. Keine M&A-Beratung. Warum wir das tun, steht im Manifest.

Sie denken über Ihre Nachfolge nach? Der Nachfolge-Check gibt Ihnen eine erste Einschätzung in wenigen Minuten. Du willst übernehmen? Lies Übernehmen statt gründen oder schreib uns direkt.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist die Nachfolgelücke?

Die Lücke zwischen Betrieben, die eine Nachfolge brauchen, und Menschen, die bereit sind, sie zu übernehmen. Laut KfW planen bis Ende 2029 erstmals mehr Mittelständler die Schließung (569.000) als die Übergabe (545.000).

Warum schließen gesunde Betriebe?

Meist aus Altersgründen und weil in der Familie niemand weitermachen will. Oft fehlt auch die Zeit oder der Zugang, um eine externe Person zu finden.

Wie viele Inhaber:innen sind 55 Jahre oder älter?

Laut KfW Research 57 Prozent der mittelständischen Inhaber:innen.

Was geht verloren, wenn ein Betrieb schließt?

Kundenbeziehungen, Arbeitsplätze und über Jahre gewachsenes Wissen. Vieles davon lässt sich durch eine Neugründung kaum ersetzen.

Wie kann ich als Inhaber:in die Schließung vermeiden?

Früh planen, externe Nachfolge offen prüfen und sich begleiten lassen. Ein erster Schritt ist der Nachfolge-Check von Nachfounder.

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