Analyse · 9 Min. Lesezeit

Nachfolge im Mittelstand 2026: Was das KfW-Nachfolge-Monitoring wirklich zeigt

243.000 Betriebe wollen bis Ende 2026 schließen, 186.000 suchen eine Nachfolge, die Kaufpreise sind um 34 Prozent gestiegen. Eine Einordnung der wichtigsten Zahlen und was daraus für Inhaber:innen und Nachfolger:innen folgt.

Verwischtes Porträt einer Inhaberin in kühlen Blautönen

Jedes Jahr misst KfW Research, wie es um die Nachfolge im deutschen Mittelstand steht. Die Ausgabe vom 9. Januar 2026 ist die deutlichste Warnung seit Beginn der Reihe: Zum ersten Mal planen mehr Inhaber:innen, ihren Betrieb nach dem Rückzug zu schließen, als ihn zu übergeben. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Übergaben, die geplant werden, gut vorbereitet sind. Die Lücke liegt dazwischen.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 3,87 Millionen mittelständische Unternehmen gibt es in Deutschland.
  • Bis Ende 2026 wollen rund 243.000 Inhaber:innen ohne Nachfolge aufhören. Rund 186.000 streben im selben Zeitraum eine Übergabe an.
  • Bis Ende 2029 planen 569.000 eine Stilllegung (rund 114.000 pro Jahr) und 545.000 eine Nachfolge (rund 109.000 pro Jahr).
  • Jedes vierte mittelständische Unternehmen (25 Prozent) zieht eine bewusste Geschäftsaufgabe in Erwägung.
  • 57 Prozent der Inhaber:innen sind 55 Jahre oder älter, das sind über 2 Millionen Menschen. Das Durchschnittsalter liegt bei gut 54 Jahren, 2003 waren es 45.
  • Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist im Schnitt bereits 66,5 Jahre alt.
  • Der durchschnittlich angestrebte Kaufpreis liegt bei rund 499.000 Euro, 34 Prozent mehr als 2019.

2026 ist ein Wendepunkt

Für den Zeitraum bis Ende 2026 hält KfW Research die Angaben der Unternehmen für sehr verlässlich, weil die Pläne konkret sind. Genau dort ist das Verhältnis am schärfsten: Rund 243.000 noch aktive Mittelständler wollen bis Ende 2026 ohne Nachfolgeregelung aus dem Markt gehen, sofern sie ihre Pläne umsetzen. Das sind etwas über sechs Prozent aller Inhaber:innen. Eine Übergabe streben im selben Zeitraum rund 186.000 an, etwa fünf Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen.

Aus Sicht der Volkswirtschaft heißt das: In diesem Jahr gehen mehr funktionierende Betriebe vom Markt, als neue Eigentümer:innen finden. Nicht, weil die Geschäftsmodelle nicht tragen. Die Studie selbst merkt an, dass das Geschäftsmodell und der erzielbare Kaufpreis in vielen Fällen die Suche nach einer Nachfolge rechtfertigen würden.

Warum Inhaber:innen schließen statt übergeben

KfW Research fragt nach den Gründen für geplante Stilllegungen. Mehrfachnennungen sind möglich. Die Rangfolge 2025:

  • Rentenalter erreicht: 52 Prozent.
  • Kein Interesse in der Familie: 47 Prozent.
  • Zu viel Bürokratie, inklusive Steuern und Recht: 42 Prozent. 2023 waren es noch 22 Prozent.
  • Nachfolgersuche nicht erfolgreich: 21 Prozent.
  • Geschäftssituation verhindert Verkauf: 17 Prozent.
  • Nachfolgersuche zu aufwendig: 11 Prozent.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens hat sich Bürokratie als Grund in zwei Jahren fast verdoppelt. Zweitens scheitern vergleichsweise wenige an einer erfolglosen Suche. Viele suchen gar nicht erst. Wer die Familie ausschließt und den Aufwand scheut, entscheidet sich still für das Ende. Aus unserer Erfahrung ist das der Punkt, an dem Unterstützung am meisten bewirkt: bevor die Entscheidung fällt.

Welche Nachfolgewege gewünscht sind

Die Mehrheit der Inhaber:innen mit Nachfolgeplänen wünscht sich weiterhin eine Lösung in der Familie. Der Verkauf an Externe bleibt der zweite große Weg. Neu ist, dass Management-Buy-Outs wieder stärker in den Blick rücken: 24 Prozent erwägen eine Übergabe an Miteigentümer:innen (MBO), 28 Prozent eine Übergabe an Beschäftigte (Employee-Buy-Out, EBO).

Für externe Nachfolger:innen ist das eine wichtige Nachricht. Die Familie fällt häufiger aus, und die Offenheit für Menschen von außen wächst. Der Weg ist aber anspruchsvoller: Die Studie beschreibt, dass bei externen Lösungen die Informationsunterschiede größer sind und Suche, Planung, Kaufpreisermittlung und Verhandlung mehr Zeit brauchen.

Was ein Betrieb im Mittelstand kostet

Erstmals seit 2019 hat KfW Research wieder nach Kaufpreisvorstellungen gefragt. Für Übergaben bis Ende 2029 liegt der durchschnittlich angestrebte Preis bei rund 499.000 Euro. 2019 waren es rund 372.000 Euro. Nominal ist das ein Plus von 34 Prozent, preisbereinigt von rund 9,5 Prozent. Die Vorstellungen sind also schneller gestiegen als die Inflation.

  • Über die Hälfte der Inhaber:innen strebt höchstens 500.000 Euro an.
  • Mehr als jedes vierte Unternehmen mit Nachfolgeplänen setzt den Preis auf über 1 Million Euro an.
  • Im Durchschnitt entspricht der angestrebte Preis dem 1,2-Fachen des Jahresumsatzes. Der Median liegt beim 0,6-Fachen.

Der große Abstand zwischen Durchschnitt und Median zeigt: Wenige hohe Bewertungen ziehen den Schnitt nach oben. Für die Mehrheit sind die Summen deutlich kleiner, als die Schlagzeile vermuten lässt. Für Nachfolger:innen heißt das, dass viele Betriebe mit solider Finanzierung erreichbar sind. Für Inhaber:innen heißt es, dass eine realistische, nachvollziehbare Bewertung ein früher und entscheidender Schritt ist. Preisvorstellungen sind Wünsche, keine Marktpreise.

Was daraus für Inhaber:innen folgt

  • Früh entscheiden, bevor das Alter entscheidet. Wer mit 66 übergeben will, muss mit Anfang 60 anfangen.
  • Die Familie offen fragen, aber nicht als einzige Option planen. Externe und Beschäftigte sind echte Alternativen.
  • Die Zahlen aufbereiten. Bilanzen, Verträge und Abhängigkeiten schaffen Vertrauen und machen einen Preis begründbar.
  • Bürokratie teilen, nicht allein tragen. Steuer, Recht und Finanzierung gehören zu erfahrenen Fachleuten.
  • Schließung als bewusste Entscheidung prüfen, nicht als Standard. Oft ist der Betrieb mehr wert, als man denkt.

Was daraus für Nachfolger:innen folgt

  • Das Angebot ist da. Hunderttausende Betriebe mit Kund:innen, Team und Cashflow suchen in den nächsten Jahren neue Führung.
  • Die Zeit ist knapp. Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist im Schnitt 66,5 Jahre alt. Diese Inhaber:innen suchen jetzt.
  • Vorbereitung ist der Hebel. Finanzierung, Branchenwissen und ein klares Profil verkürzen Suche und Verhandlung.
  • Beziehung vor Transaktion. Inhaber:innen übergeben ein Lebenswerk. Vertrauen entscheidet oft mehr als der letzte Euro.

Wie wir die Lücke schließen wollen

Die Studie beschreibt ein Matching-Problem. Auf der einen Seite stehen Betriebe, die gut laufen und niemanden finden. Auf der anderen Seite Menschen, die unternehmerisch arbeiten wollen und bei null anfangen. Nachfounder ist ein Programm wie ein Accelerator, nur für Betriebe, die es schon gibt. Wir bereiten Nachfolger:innen auf die Übernahme vor, bringen sie mit passenden Betrieben zusammen und begleiten den Weg in Etappen. Keine M&A-Beratung.

Wenn Sie über Ihre Nachfolge nachdenken, gibt Ihnen der Nachfolge-Check in wenigen Minuten eine erste Einschätzung mit konkreten nächsten Schritten. Wenn du übernehmen willst, schreib uns. Das beste Startup ist schon 40 Jahre alt.

FAQ

Häufige Fragen

Wie viele Unternehmen suchen 2026 eine Nachfolge?

Laut KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 streben bis Ende 2026 rund 186.000 mittelständische Inhaber:innen eine Übergabe an. Bis Ende 2029 sind es rund 545.000, also etwa 109.000 pro Jahr.

Wie viele Betriebe schließen mangels Nachfolge?

Bis Ende 2026 planen rund 243.000 Mittelständler eine Stilllegung ohne Nachfolgeregelung, bis Ende 2029 rund 569.000. Damit übersteigen die Schließungspläne erstmals die Nachfolgepläne.

Was ist der häufigste Grund für eine geplante Schließung?

Das Erreichen des Rentenalters (52 Prozent), gefolgt von fehlendem Interesse in der Familie (47 Prozent) und zu viel Bürokratie (42 Prozent).

Wie viel kostet ein mittelständisches Unternehmen?

Der durchschnittlich angestrebte Kaufpreis liegt laut KfW Research bei rund 499.000 Euro, im Mittel beim 1,2-Fachen des Jahresumsatzes. Der Median liegt beim 0,6-Fachen, über die Hälfte strebt höchstens 500.000 Euro an.

Wie alt sind Inhaber:innen im Mittelstand?

Im Schnitt gut 54 Jahre. 57 Prozent sind 55 oder älter. Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist durchschnittlich 66,5 Jahre alt.

Was ist der Unterschied zwischen MBO und EBO?

Beim Management-Buy-Out übernehmen Miteigentümer:innen oder das Management, beim Employee-Buy-Out Beschäftigte. 24 Prozent der Inhaber:innen mit Nachfolgeplänen erwägen ein MBO, 28 Prozent ein EBO.

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