Analyse

Nachfolgemonitor 2026: Was nach der Übernahme wirklich passiert

Zwei von drei Betrieben machen nach der Übernahme mehr Umsatz. Beim Gewinn geht es bei gut der Hälfte trotzdem erst mal runter. Die wichtigsten Zahlen aus dem Nachfolgemonitor 2026 und was sie für Nachfolger:innen und Inhaber:innen bedeuten.

· 9 Min. Lesezeit

Wie geht es einem Betrieb, zwei Jahre nachdem jemand Neues übernommen hat? Darauf gibt es in Deutschland erstaunlich wenige belastbare Antworten. Der Nachfolgemonitor 2026 ist eine davon. Er wertet echte, abgeschlossene Übernahmen aus und vergleicht Umsatz, Gewinn und Bonität vor und nach dem Wechsel. Kurz gesagt: Zwei von drei Betrieben machen nach der Übernahme mehr Umsatz. Beim Gewinn nach Abschreibungen geht es bei gut der Hälfte erst mal runter. Der Grund dafür ist meistens eine gute Nachricht.

Das Wichtigste in Kürze

  • 67,5 Prozent der übernommenen Betriebe machen zwei Jahre nach der Übernahme mehr Umsatz als zwei Jahre davor.
  • Das Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) steigt bei 52,9 Prozent. Das Ergebnis nach Abschreibungen (EBIT) sinkt bei 54,1 Prozent, vor allem weil Nachfolger:innen investieren.
  • Bei Betrieben mit schwacher Bonität verbessert sich die Einstufung nach der Übernahme in gut sieben von zehn Fällen.
  • Seit 2018 fließen 70 bis 77 Prozent der Finanzierung in den Kaufpreis. Für Investitionen bleibt wenig Luft.
  • Nur 18,9 Prozent der Übernehmenden sind Frauen. So wenige waren es seit Beginn der Erhebung nie.

Woher die Zahlen kommen

Der Nachfolgemonitor erscheint seit 2019 jedes Jahr. Herausgegeben wird er vom KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand (KCE) der FOM Hochschule, als Kooperationsprojekt mit dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) und Creditreform. Ausgewertet werden Übernahmen, die von Bürgschaftsbanken begleitet wurden, ergänzt um Finanz- und Bonitätsdaten von Creditreform. Für die Entwicklung nach der Übernahme stehen 1.553 Betriebe zur Verfügung, die zwischen 2014 und 2022 übergeben wurden.

Das ist ein wichtiger Unterschied zum KfW-Nachfolge-Monitoring. Die KfW fragt Inhaber:innen, was sie vorhaben. Der Nachfolgemonitor schaut auf Übernahmen, die wirklich stattgefunden haben. Eine Einschränkung gehört dazu: Übernahmen ohne Beteiligung einer Bürgschaftsbank sind nicht erfasst. Die Zahlen zeigen also, wie es finanzierten Übernahmen ergeht.

Umsatz: Zwei von drei Betrieben wachsen

67,5 %

mehr Umsatz zwei Jahre nach der Übernahme

Übernahmen 2014 bis 2022, n = 1.553

1,13

Umsatzfaktor im Median, Jahrgang 2022

13 % über dem Niveau vor der Übergabe

1,26

Umsatzfaktor im Median, Jahrgang 2020

stärkster Jahrgang der Reihe

Der Monitor vergleicht den Umsatz zwei Jahre nach der Übernahme mit dem Umsatz zwei Jahre davor. Bei 67,5 Prozent der Betriebe liegt er höher, bei 32,5 Prozent niedriger. Im Vorjahr sah das Verhältnis fast genauso aus.

Spannend ist der Blick auf die Jahrgänge. Wer 2020 übernommen hat, also mitten in der Pandemie, hat im Mittel das stärkste Wachstum erreicht. Der Jahrgang 2022 lag mit einem Faktor von 1,13 darunter. Er ist direkt in Energiekrise, Zinswende und hohe Inflation gestartet.

Ein Teil des Wachstums ist Inflation. Höhere Preise heben den Umsatz, ohne dass mehr verkauft wird. Darauf weisen die Autor:innen selbst hin. Wer einen Betrieb prüft, fragt deshalb besser auch nach Aufträgen, Stückzahlen und Kundschaft.

Gewinn: Warum das EBIT nach der Übernahme oft sinkt

Umsatz

gestiegen
67,5 %
gesunken
32,5 %
Median Jahrgang 2022
Faktor 1,13

EBITDA (vor Abschreibungen)

gestiegen
52,9 %
gesunken
47,1 %
Median Jahrgang 2022
+22.000 €

EBIT (nach Abschreibungen)

gestiegen
45,9 %
gesunken
54,1 %
Median Jahrgang 2022
−40.000 €
Zwei Jahre nach vs. zwei Jahre vor der Übernahme, Übernahmen 2014 bis 2022. Quelle: Nachfolgemonitor 2026, VDB, n = 1.553 bzw. 1.564

Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Mehr Umsatz, aber bei gut der Hälfte weniger Gewinn. Die Erklärung steckt im Unterschied zwischen EBITDA und EBIT. Das EBITDA zeigt, was das Tagesgeschäft verdient. Beim EBIT sind die Abschreibungen schon abgezogen.

Und die steigen nach einer Übernahme deutlich. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren vor der Übergabe nur noch das Nötigste investiert. Wer übernimmt, holt das nach, mit neuen Maschinen, Fahrzeugen, IT oder Arbeiten am Gebäude. Diese Investitionen werden über Jahre abgeschrieben und drücken das EBIT. Das Tagesgeschäft läuft in der Mehrheit der Fälle stabil oder besser als vorher.

Bonität: Schwache Betriebe drehen oft

Creditreform hat die Bonität zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Übergabe verglichen (n = 2.307). Für alle, die einen Betrieb in schwieriger Lage übernehmen, ist das Ergebnis ermutigend. Von den Betrieben mit schwacher Bonität stiegen 57,7 Prozent in die Klasse „ausreichend“ auf und weitere 12,7 Prozent sogar in „befriedigend“. Selbst bei ungenügender Bonität landete mehr als die Hälfte danach mindestens bei „ausreichend“.

Eine Garantie ist das nicht. Knapp ein Drittel der Betriebe aus den unteren Klassen bleibt auch nach dem Wechsel dort. Und Betriebe mit sehr guter Bonität rutschen oft eine Stufe ab, meist auf „gut“. Das dürfte zum Bild von oben passen, denn Kaufpreis und Investitionen kosten erst mal Spielraum.

Kaufpreis: Drei Viertel der Finanzierung

Eine Übernahme kostet mehr als den Kaufpreis. Dazu kommen Betriebsmittel, Investitionen und manchmal eine Immobilie. Trotzdem geht der größte Teil in den Kaufpreis. Seit 2018 lag sein Anteil an der Finanzierung jedes Jahr zwischen 70 und 77 Prozent, bei Kapitalgesellschaften im Schnitt bei 77 Prozent. Im Verkehr und im Großhandel sind es über 80 Prozent, im Gastgewerbe unter 50 Prozent, weil dort Immobilie und Ausstattung viel ausmachen.

Laut den Autor:innen scheitern Nachfolgefinanzierungen in der Praxis vor allem an zwei Dingen. An Preisvorstellungen, die sich nicht finanzieren lassen, und an den gestiegenen Anforderungen der Banken an das Eigenkapital. Wer den Preis ausreizt, hat danach kein Geld für die Investitionen, die der Betrieb braucht. Mit dem Finanzierungsrechner kannst du eine Übernahme vorab durchrechnen.

Wer heute übernimmt

Nachfolger:innen sind im Median 38 Jahre alt, die mittlere Hälfte ist zwischen 33 und 45. Die Übergebenden sind im Median 64. Gut 81 Prozent übernehmen allein, Teams sind die Ausnahme. Nur in der Informationswirtschaft laufen fast vier von zehn Übernahmen im Team.

Der Frauenanteil ist 2025 auf 18,9 Prozent gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung, in den Jahren davor lag er um 21 Prozent. In Hessen, dem Schwerpunkt der diesjährigen Sonderauswertung, waren es sogar nur 13,3 Prozent. Am Erfolg liegt es nicht. Betriebe, die 2022 von Frauen übernommen wurden, wuchsen im Mittel stärker (Faktor 1,29) als die der Männer (1,14).

Was das für Nachfolger:innen heißt

  • Finanzier nicht nur den Kaufpreis. Plan das Budget für die Investitionen nach der Übernahme gleich mit ein. Die Daten zeigen, dass sie fast immer kommen.
  • Schau beim Kauf genau auf den Investitionsstau. Ein alter Maschinenpark gehört in die Preisverhandlung.
  • Prüf Umsatzwachstum vor der Übergabe kritisch. Ein Teil davon kann Inflation sein. Frag nach Aufträgen, Stückzahlen und Kundschaft.
  • Rechne mit einem schwächeren EBIT in den ersten Jahren und besprich das vorher mit deiner Bank.
  • Lass dich von einer schwachen Bonität nicht sofort abschrecken. Mit neuer Führung drehen viele dieser Betriebe. Finde aber heraus, warum sie schwach ist.

Was das für Übergeber:innen heißt

  • Aufgeschobene Investitionen landen am Ende im Kaufpreis. Wer den Stau offen benennt oder rechtzeitig angeht, verhandelt aus einer besseren Position.
  • Halte den Betrieb bis zur Übergabe stabil. Die übergebenen Betriebe haben ihren Gewinn in den drei Jahren davor im Mittel gehalten, jetzt das sechste Jahr in Folge. Das macht sie finanzierbar.
  • Rechne den Preis rückwärts. Er muss aus dem Cashflow bezahlbar sein und Luft für Investitionen lassen. Wie das geht, steht in Was ist ein kleines Unternehmen wert?.
  • Bau eine zweite Führungsebene auf. Betriebe mit knapp 2 Millionen Euro Umsatz und rund 20 Mitarbeitenden sind laut Studie besonders gefragt, weil sie weniger am Inhaber hängen. Gut die Hälfte der durch Nachfolgen gesicherten Arbeitsplätze liegt in Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten.
  • Sprich bei der Suche auch Frauen gezielt an. Die Studie nennt als einen Grund für den niedrigen Anteil, dass bei der Nachfolgesuche oft unbewusst Männer bevorzugt angesprochen werden.

Unsere Einordnung

Der Monitor bestätigt, was wir in Gesprächen mit beiden Seiten hören. Mit dem Kauf ist es nicht getan. Die ersten zwei Jahre sind Aufbauarbeit, mit Investitionen, neuen Kund:innen und einem Team, das der neuen Person erst vertrauen muss. Wer das von Anfang an einplant, startet mit einem Betrieb, der in zwei von drei Fällen wächst. Für jemanden, der schon mal ein Startup aufgebaut hat, ist das ein ziemlich guter Startpunkt.

Du überlegst, einen Betrieb zu übernehmen? Im Nachfounder-Programm planen wir Kaufpreis und Investitionen von Anfang an zusammen. Du denkst über deine eigene Nachfolge nach? Der Nachfolge-Check gibt dir in wenigen Minuten eine erste Einschätzung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Nachfolgemonitor?

Eine jährliche Studie zur Unternehmensnachfolge in Deutschland, seit 2019 ein Kooperationsprojekt des KCE der FOM Hochschule mit dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und Creditreform. Sie wertet Übernahmen aus, die von Bürgschaftsbanken begleitet wurden. Alle Ausgaben stehen kostenlos auf nachfolgemonitor.de.

Wie erfolgreich sind Unternehmensnachfolgen?

Laut Nachfolgemonitor 2026 machen 67,5 Prozent der übernommenen Betriebe zwei Jahre nach der Übernahme mehr Umsatz als zwei Jahre davor. Das Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) steigt bei 52,9 Prozent.

Warum sinkt der Gewinn nach einer Übernahme oft?

Weil Nachfolger:innen nach dem Einstieg investieren, etwa in Maschinen, IT oder Gebäude. Die Abschreibungen darauf drücken das EBIT, das bei 54,1 Prozent der Betriebe sinkt. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen steigt dagegen in der Mehrheit der Fälle.

Wie viel der Finanzierung entfällt auf den Kaufpreis?

Seit 2018 jedes Jahr zwischen 70 und 77 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Betriebsmittel, Investitionen und Immobilien.

Wie alt sind Nachfolger:innen und Übergeber:innen?

Übernehmende sind im Median 38 Jahre alt, die mittlere Hälfte ist zwischen 33 und 45. Übergebende sind im Median 64 Jahre alt.

Wie hoch ist der Frauenanteil bei Unternehmensnachfolgen?

2025 lag er bei 18,9 Prozent und damit so niedrig wie nie seit Beginn der Erhebung. In den Jahren davor waren es rund 21 Prozent, in Hessen 2025 nur 13,3 Prozent.

Was unterscheidet den Nachfolgemonitor vom KfW-Nachfolge-Monitoring?

Die KfW befragt Inhaber:innen zu ihren Plänen. Der Nachfolgemonitor wertet Übernahmen aus, die tatsächlich stattgefunden haben und von Bürgschaftsbanken mitfinanziert wurden.

Kontakt

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