Unternehmensnachfolge: Wie sie funktioniert und warum sie Gründer:innen braucht
Vier Wege der Nachfolge, was eine Übergabe gelingen lässt und warum Frauen noch selten übernehmen. Ein Überblick für Inhaber:innen und alle, die übernehmen wollen.

Unternehmensnachfolge ist der geplante Übergang von Eigentum, Führung oder beidem auf eine neue Person oder eine neue Struktur. Für viele Familienunternehmen ist das die wichtigste strategische Entscheidung einer Generation. Und oft die persönlichste.
Kurz gesagt
- Es gibt vier Grundformen: Übergabe in der Familie, familienfremdes Management, Verkauf und Stiftung.
- Bis Ende 2029 wollen rund 545.000 Mittelständler ihre Nachfolge regeln. Rund 569.000 planen, ganz aufzuhören (KfW Research).
- Der Frauenanteil unter Nachfolger:innen lag in den letzten zehn Jahren zwischen 21 und 23 Prozent, zuletzt bei 21 Prozent (wir Magazin).
- Nachfolge scheitert selten an fehlenden Menschen. Sie scheitert an fehlenden Prozessen.
Warum das Thema so drängt
Der Mittelstand wird älter. 57 Prozent der mittelständischen Inhaber:innen sind 55 Jahre oder älter. Laut KfW Research planen bis Ende 2029 zum ersten Mal mehr Betriebe die Schließung als die Übergabe.
Das wir Magazin für Unternehmerfamilien verweist auf den DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025: Die Zahl der Unternehmer:innen, die schließen wollen, erreichte 2024 einen Höchstwert. Für 92 Prozent von ihnen ist der fehlende Nachfolger der Grund. Schätzungen zufolge stehen pro Jahr rund 30.000 Übergaben von Familienunternehmen an, mit zusammen etwa 480.000 Beschäftigten.
Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Betrieb mit Kund:innen, einem Team und Wissen, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Schließt er, ist das alles weg.
Die vier Wege der Nachfolge
Welcher Weg passt, hängt von der Familie, vom Betrieb und von den Menschen ab, die infrage kommen. Diese vier Grundformen gibt es:
- Familienintern: Tochter, Sohn oder ein anderes Familienmitglied übernimmt Eigentum und Führung. Der klassische Weg, aber nicht mehr der selbstverständliche.
- Familienfremdes Management: Die Familie bleibt Eigentümerin, die Führung übernimmt eine externe Person. Gut, wenn das Eigentum in der Familie bleiben soll, aber niemand operativ führen will.
- Verkauf: Der Betrieb geht an eine neue Eigentümerin oder einen neuen Eigentümer. Das kann das eigene Management sein oder jemand von außen, der den Betrieb kauft und selbst führt.
- Stiftung oder Holding: Das Unternehmen wird in eine Familienstiftung oder Familienholding überführt. So bleibt es langfristig zusammen, unabhängig von einzelnen Erb:innen.
Was eine Übergabe gelingen lässt
Die Personalberatung Egon Zehnder schreibt dazu im wir Magazin: „Nachfolge scheitert nicht an fehlenden Kandidaten. Sie scheitert an fehlenden Prozessen, die Vertrauen und kulturelle Passung fördern.“ Das deckt sich mit dem, was wir in Gesprächen hören.
- Früh anfangen. Suche, Kennenlernen und Einarbeitung brauchen Zeit. Wer früh plant, hat Auswahl.
- Offen über Erwartungen sprechen. Was soll bleiben? Was darf sich ändern? Wie lange bleibt die bisherige Inhaberin an Bord?
- Die Zahlen sauber aufbereiten. Bilanzen, Verträge, Abhängigkeiten von einzelnen Kund:innen. Das schafft Vertrauen auf beiden Seiten.
- Das Team mitnehmen. Der Zeitpunkt, zu dem die Belegschaft davon erfährt, ist eine eigene Entscheidung.
- Fachleute einbinden. Steuer, Recht und Finanzierung gehören in erfahrene Hände.
Frauen in der Nachfolge
Der Anteil von Frauen an den Nachfolger:innen in Deutschland lag in den letzten zehn Jahren zwischen 21 und 23 Prozent. Zuletzt ist er leicht auf 21 Prozent gesunken. Das berichtet das wir Magazin.
Gleichzeitig folgen heute mehr Frauen nach als in früheren Generationen, und sie prägen die Rolle anders. Für den Mittelstand ist das eine Chance, die er noch zu wenig nutzt. Jede Unternehmerin, die übernimmt, erweitert den Kreis derer, die Betriebe weiterführen können.
Übernehmen ist Gründen
Wenn in der Familie niemand weitermachen will, ist der Verkauf an eine externe Person oft der Weg, der den Betrieb erhält. Genau hier sehen wir die größte Lücke. Es gibt viele Menschen, die unternehmerisch arbeiten wollen: Gründer:innen, Ex-Gründer, Führungskräfte. Die meisten fangen bei null an.
Wer übernimmt, startet mit Kund:innen, Team und Cashflow. Die Arbeit ist eine andere als im Startup, aber sie ist unternehmerisch. Das beste Startup ist manchmal schon 40 Jahre alt.
Was Nachfounder macht
Nachfounder ist ein Programm wie ein Accelerator, nur für Betriebe, die es schon gibt. Wir bereiten Nachfolger:innen auf die Übernahme vor, bringen sie mit passenden Betrieben zusammen und begleiten den Weg in Etappen. Keine M&A-Beratung. Wir machen aus Nachfolger:innen Gründer:innen.
Wenn Sie über Ihre Nachfolge nachdenken, oder wenn du übernehmen willst: Der Nachfolge-Check gibt eine erste Einschätzung. Oder schreib uns direkt.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist Unternehmensnachfolge?
Der geplante Übergang von Eigentum und/oder Führung eines Unternehmens auf eine neue Person oder Struktur, etwa eine Familienholding oder Familienstiftung.
Welche Formen der Unternehmensnachfolge gibt es?
Vier Grundformen: Übergabe in der Familie, familienfremdes Management bei gleichbleibendem Eigentum, Verkauf an interne oder externe Käufer:innen und die Überführung in eine Stiftung oder Holding.
Wie viele Betriebe suchen in Deutschland eine Nachfolge?
Laut KfW Research wollen bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen ihre Nachfolge regeln. Rund 569.000 planen im selben Zeitraum eine Schließung.
Wie hoch ist der Frauenanteil in der Nachfolge?
Laut wir Magazin lag er in den letzten zehn Jahren zwischen 21 und 23 Prozent und zuletzt bei 21 Prozent.
Woran scheitert Unternehmensnachfolge am häufigsten?
Oft nicht an fehlenden Kandidat:innen, sondern an fehlenden Prozessen, die Vertrauen und kulturelle Passung fördern. Frühe Planung und offene Gespräche helfen.
Quellen
