Weniger Startup-Programme, mehr Betriebe ohne Nachfolge: Was zwei Entwicklungen gemeinsam haben
Die großen Konzerne bauen ihre Startup-Programme ab, gleichzeitig suchen Hunderttausende Betriebe eine Nachfolge. Was der Startup- und Innovationsmonitor 2026 zeigt und wie sich KfW- und IfM-Zahlen richtig lesen lassen.

Zwei Studien, zwei Welten. Die eine zählt die Startup-Programme der großen Konzerne im deutschsprachigen Raum. Die andere zählt Betriebe im Mittelstand, die eine Nachfolge brauchen. Zusammen gelesen zeigen sie etwas, das in keiner der beiden allein steht: Wer unternehmerisch loslegen will, findet den Weg über ein Tech-Startup immer seltener über ein Programm. Den Weg über einen bestehenden Betrieb gibt es dagegen so häufig wie selten zuvor.
Was der Startup- und Innovationsmonitor 2026 zeigt
Der Startup- und Innovationsmonitor 2026 von valantic untersucht in der neunten Auflage die 130 Unternehmen aus DAX, MDAX, ATX und SMI. Die wichtigsten Befunde:
- 61 der 130 Konzerne unterhalten mindestens ein eigenes Programm für Startups, im DAX sind es drei von vier.
- Erfasst sind 114 unternehmenseigene Programme, 17 weniger als im Vorjahr.
- Die Zahl der Acceleratoren geht um ein Viertel zurück, die der Inkubatoren um ein Drittel.
- Venture-Capital-Einheiten wachsen leicht und stellen erstmals mehr als die Hälfte der eigenen Programme.
- Für Startups verlagert sich der Zugang auf gemeinsam getragene Plattformen: 116 Kooperationsprogramme mit 231 beteiligten Unternehmen.
- Inhaltlich dominieren Technikfelder wie Künstliche Intelligenz, Verteidigung und Dual-Use sowie Bau und Immobilien.
Die Autor:innen ordnen das selbst ein: Weniger Programme heißen nicht weniger Innovationsengagement. Ein wachsender Teil der Zusammenarbeit läuft über Beteiligungen oder über Modelle, in denen der Konzern Kunde des Startups wird. Für Gründer:innen bedeutet das trotzdem: Betreuungsintensive Formate mit Kohorte und Begleitung werden knapper, und sie richten sich fast immer an Tech-Startups mit eigenem Produkt.
Was KfW und IfM zur Nachfolge zeigen
Zur Nachfolge im Mittelstand gibt es zwei Quellen, die oft durcheinandergeraten. Beide sind seriös, sie messen aber Unterschiedliches.
Das KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand vom Januar 2026 fragt Inhaber:innen nach ihren Plänen. Ergebnis: Bis Ende 2029 wollen rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge regeln, rund 569.000 planen eine Stilllegung. Bis Ende 2026 stehen 186.000 geplante Übergaben rund 243.000 geplanten Schließungen gegenüber. Es sind Absichten, keine vollzogenen Übergaben.
Das IfM Bonn schätzt dagegen, wie viele Familienunternehmen von 2026 bis 2030 übergabereif sind. Gezählt werden nur Betriebe, deren Ertrag hoch genug ist, dass sie für eine Nachfolge attraktiv sind. So kommt das IfM auf rund 186.000 Übergaben in fünf Jahren, im Bundesschnitt 52 je 1.000 Unternehmen.
Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, und man sollte sie auch nicht addieren. Die KfW zeigt, was Inhaber:innen vorhaben, auch in sehr kleinen Betrieben. Das IfM zeigt, wie viele Betriebe wirtschaftlich übergabefähig sind. Dass beide bei 186.000 landen, ist Zufall: Bei der KfW ist es die Zahl der geplanten Übergaben bis Ende 2026, beim IfM die geschätzte Zahl für 2026 bis 2030. Wie sich die IfM-Werte auf die Bundesländer verteilen, zeigt unsere Seite Nachfolge nach Region.
Wo sich beide Entwicklungen treffen
Die KfW nennt den Engpass selbst: Es rücken zu wenige Gründer:innen nach, die eine Nachfolge qualifiziert antreten können. Gleichzeitig zeigt der Monitor, dass die klassische Begleitung für Gründer:innen bei den Konzernen weniger wird und sich auf Technik konzentriert. Wer Verantwortung übernehmen und ein Unternehmen führen will, ohne ein neues Produkt zu erfinden, kommt in dieser Landschaft kaum vor.
Dabei sind die Voraussetzungen gut. Ein Betrieb in Nachfolge hat Kund:innen, ein Team und Umsatz. Die durchschnittliche Kaufpreisvorstellung liegt laut KfW bei rund 499.000 Euro, der Median beim 0,6-Fachen des Jahresumsatzes. Viele Betriebe sind damit mit Eigenkapital, Förderkredit und Verkäuferdarlehen erreichbar. Wie das konkret aussieht, erklärt unser Artikel zur Finanzierung einer Nachfolge.
Was das für dich heißt
- Wenn du gründen willst: Prüfe, ob du etwas Bestehendes weiterführen willst, statt bei null anzufangen. Der Nachfolger-Test gibt dir eine erste Einschätzung.
- Wenn du einen Betrieb übergeben willst: Früh anfangen lohnt sich. Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist laut KfW im Schnitt schon 66,5 Jahre alt.
- Wenn du die Zahlen zitierst: KfW für Pläne der Inhaber:innen, IfM für übergabefähige Familienunternehmen, und immer mit Zeitraum.
Unser Ansatz
Nachfounder ist ein Programm für Menschen, die unternehmerisch arbeiten wollen, und für Betriebe, die eine Nachfolge suchen. Wir bereiten Nachfolger:innen auf eine Übernahme vor, stellen sie Inhaber:innen persönlich vor und begleiten den Weg in Etappen. Keine M&A-Beratung und keine Börse. Mehr dazu auf den Seiten für Nachfolger:innen und für Übergeber:innen, oder direkt im Nachfolge-Check.
FAQ
Häufige Fragen
Gehen Startup-Programme in Deutschland zurück?
Bei den großen Konzernen ja. Laut Startup- und Innovationsmonitor 2026 sank die Zahl der unternehmenseigenen Programme in DAX, MDAX, ATX und SMI von 131 auf 114. Acceleratoren gingen um ein Viertel zurück, Inkubatoren um ein Drittel.
Warum unterscheiden sich die Nachfolgezahlen von KfW und IfM?
Die KfW fragt Inhaber:innen nach ihren Plänen, auch in sehr kleinen Betrieben. Das IfM Bonn schätzt, wie viele Familienunternehmen wirtschaftlich übergabefähig sind. Die Zahlen messen Unterschiedliches und sollten nicht addiert werden.
Wie viele Unternehmen suchen bis 2030 eine Nachfolge?
Das IfM Bonn schätzt rund 186.000 übergabereife Familienunternehmen für 2026 bis 2030. Laut KfW wollen bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge regeln.
Quellen
