Für Gründer:innen

Warum beim Gründen fast niemand an eine Übernahme denkt

Die IHK Schwaben sagt es selbst: Wer sich selbstständig machen will, denkt an eine Neugründung. Übernahme kommt kaum jemandem in den Sinn. Warum das so ist und was du damit verpasst.

· 4 Min. Lesezeit

Vergangene Woche stand in der Augsburger Allgemeinen ein Artikel über die Nachfolge in Bayerisch-Schwaben. Zahlen, die man so ähnlich aus jeder Region kennt: Ein Drittel der Unternehmer ist über 60, rund 25.000 Betriebe wollen in den nächsten Jahren übergeben. Hängen geblieben ist bei mir aber ein Satz von Karin Bräuer, die bei der IHK Schwaben das Thema Nachfolge betreut. Sinngemäß: Wer sich selbstständig machen will, denkt an eine Neugründung. Dass eine Übernahme derselbe Weg sein kann, kommt den wenigsten in den Sinn.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Übernahme ist eine Existenzgründung. Banken und Förderbanken behandeln sie auch so, der ERP-Gründerkredit StartGeld gilt ausdrücklich für Nachfolgen.
  • Der Unterschied zur Neugründung: Kunden, Team und Cashflow sind ab dem ersten Tag da. Was fehlt, ist jemand, der weitermacht.
  • Die durchschnittliche Kaufpreisvorstellung liegt laut KfW bei 499.000 Euro. Das finanziert sich über Hausbank, Förderkredit und Verkäuferdarlehen, nicht über eine Seed-Runde.
  • Der Weg ist keine Abkürzung. Er hat eigene Hürden: Verantwortung für ein bestehendes Team, Standort auf dem Land, Übergabe in Etappen.

Warum der Gedanke nicht kommt

Ich arbeite seit Jahren mit Gründern und kann die Beobachtung der IHK nur bestätigen. In jedem Bewerbungsgespräch für unseren Accelerator frage ich irgendwann, warum es genau dieses Produkt sein muss. Fast nie sagt jemand: Eigentlich will ich einfach ein Unternehmen führen. Dabei ist das bei vielen der eigentliche Antrieb. Das Produkt ist austauschbar, der Wunsch nicht.

Gründen hat ein Bild. Laptop, Pitch, Finanzierungsrunde, Wachstum. Übernahme hat kein Bild, oder ein falsches. Nachfolge klingt nach Notar, nach Erbe, nach dem Sohn vom Chef. Auf LinkedIn postet niemand, dass er gerade einen Metallbaubetrieb mit 18 Leuten in Günzburg übernommen hat. Also gibt es keine Vorbilder. Und ohne Vorbilder gibt es keine Vorstellung davon, wie das überhaupt geht.

Dazu kommt: Betriebe, die eine Nachfolge suchen, stehen nirgends. Der Inhaber will nicht, dass die Belegschaft es aus der Zeitung erfährt. Also steht der Betrieb auf keiner Börse, und wer sucht, findet nichts. Beide Seiten warten aufeinander.

Zwei Wege, ein Ziel

Bei null gründen heißt: Idee finden, Produkt bauen, erste Kunden überzeugen, Team zusammenstellen, Geld von Investoren holen, zwei bis drei Jahre Verluste durchstehen. Wenn alles klappt.

Übernehmen heißt: Kunden gibt es. Das Team ist eingespielt. Der Betrieb verdient Geld. Was fehlt, ist jemand, der weitermacht. Und oft jemand, der Tempo reinbringt. Eine Website, die Anfragen bringt. Eine Buchhaltung, die nicht mehr auf Papier läuft. Ein zweiter Vertriebskanal. Genau das können Leute, die aus der Startup-Welt kommen. Wie der Weg im Einzelnen aussieht, steht im Leitfaden Gründen durch Übernahme.

Was eine Übernahme kostet und wie du sie finanzierst

Die KfW nennt eine durchschnittliche Kaufpreisvorstellung von 499.000 Euro (KfW Research, Nachfolge-Monitoring 2025). Das klingt nach viel, ist aber eine andere Rechnung als eine Seed-Runde. Hausbank, Förderkredit und ein Verkäuferdarlehen tragen das in den meisten Fällen. Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW geht seit Dezember 2025 bis 200.000 Euro, ausdrücklich auch für Übernahmen. Du gibst keine Anteile ab. Du zahlst einen Kredit aus dem Cashflow, den der Betrieb schon hat. Was das für dich konkret heißt, zeigt der Finanzierungsrechner, mehr Hintergrund gibt es im Artikel Unternehmensnachfolge finanzieren.

Was du mitbringen musst

Ich will das nicht schönreden. Übernehmen ist keine Abkürzung, es ist ein anderer Weg mit anderen Hürden.

  • Du übernimmst Verantwortung für Menschen, die schon lange da sind und dich erst mal skeptisch anschauen. Zu Recht.
  • Der Betrieb steht da, wo er steht. Oft nicht in Berlin oder Hamburg. Pendeln oder umziehen gehört dazu.
  • Der alte Inhaber lässt nicht am ersten Tag los. Eine Übergabe in Etappen ist normal und meistens auch gut so.
  • Du musst die Finanzierung grundsätzlich stemmen können. Ganz ohne Eigenkapital geht es selten, die Höhe hängt vom Betrieb und von der Bank ab.

Wer das mitbringt, hat am Ende das, wofür andere Jahre brauchen: ein Unternehmen, das läuft, und die Freiheit, es weiterzuentwickeln.

Wo du anfängst

Erst Suchprofil, dann Finanzierungsrahmen, dann Betriebe. In der Reihenfolge. Wer mit den Betrieben anfängt, verliebt sich in den ersten und rechnet danach. Unser Nachfolger-Test zeigt dir in ein paar Minuten, ob der Weg zu dir passt. Der Finanzierungsrechner zeigt, was du dir leisten kannst. Und wenn du es ernst meinst, bewirb dich für die nächste Kohorte.

FAQ

Häufige Fragen

Ist eine Übernahme eine Existenzgründung?

Ja. Banken und Förderbanken zählen die Übernahme eines bestehenden Betriebs zu den Gründungen. Förderprogramme wie der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW gelten ausdrücklich auch für Nachfolgen.

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Übernahme?

Ganz ohne geht es selten, die Höhe hängt vom Betrieb und von der Bank ab. Üblich ist eine Mischung aus Hausbank, Förderkredit und Verkäuferdarlehen. Der Finanzierungsrechner auf nachfounder.com gibt eine erste Hausnummer.

Brauche ich Branchenerfahrung, um einen Betrieb zu übernehmen?

In den meisten Fällen nicht. Das Fachwissen steckt im Team und in der Einarbeitung durch die Inhaber:in. Was du brauchst, ist Führungserfahrung oder Ergebnisverantwortung und die Bereitschaft, dich einzuarbeiten.

Wie finde ich Betriebe, die eine Nachfolge suchen?

Die meisten stehen auf keiner Börse, weil die Inhaber:innen Diskretion wollen. Der Weg läuft über Steuerberater, Kammern, Banken und Programme wie Nachfounder, die solche Betriebe kennen und Nachfolger:innen persönlich vorstellen.

Kontakt

Kunden, Team, Cashflow. Ab Tag eins.