Einordnung
Nachfolge im Familienunternehmen: Warum Eigentum und Führung zwei verschiedene Fragen sind
Eine Übergabe verändert Eigentum, Führung und die Familie gleichzeitig. Was Prof. Dr. Tom Rüsen von der WIFU-Stiftung aus der Forschung berichtet, und was das für Übergeber:innen und Nachfolger:innen heißt.
· 7 Min. Lesezeit
WIFU-Stiftung: Nachfolge in Familienunternehmen
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Dieser Beitrag fasst den ersten Teil eines Vortrags von Prof. Dr. Tom Rüsen zusammen, aufgezeichnet beim 85. Forum der WIFU-Stiftung. Das ganze Video findest du hier: Nachfolge in Familienunternehmen: Eigentum, Führung & Familie, Teil I von III. Die Einordnung für kleinere Betriebe ist unsere eigene.
Mehr als eine Übergabe von Anteilen
Etwa alle 25 bis 35 Jahre steht in jedem Familienunternehmen eine Nachfolge an, so Rüsen. Dabei gehen nicht nur ein paar Anteile oder ein Geschäftsführerposten weiter. Plötzlich hat vielleicht das Kind das Sagen, nicht mehr die Eltern. Gewohnte Rollen in der Familie geraten ins Wanken. Das macht die Nachfolge zu einem Einschnitt auf mehreren Ebenen zugleich.
Warum die Entscheidung immer wieder verschoben wird
Rüsen beschreibt ein typisches Muster: Mit Mitte 50 ist klar, dass es noch Zeit hat. Mit Ende 50 fehlt noch etwas. Später wird das Abgeben immer schwerer. Er verweist auf die regelmäßigen Befragungen von KfW Research, in denen viele Inhaber:innen ihre Übergabe immer weiter nach hinten schieben. Der Kern ist oft das Loslassen. Wie du damit umgehen kannst, liest du in Nachfolge in Ruhe planen.
Familie zuerst, Käufer:innen von außen holen auf
Die Übergabe in der Familie ist weiterhin der häufigste Wunsch. Die externe Nachfolge ist die zweitgrößte Form. Rüsen nennt dabei ausdrücklich Entrepreneurship Through Acquisition (ETA): unternehmerisch denkende junge Menschen, die statt eines Startups einen bestehenden Betrieb übernehmen. Er hält das für eine spannende Alternative, die man unterstützen sollte. Genau hier setzt Nachfounder an. Mehr dazu in Gründen durch Übernahme und auf unserer Seite für Nachfolger:innen.
Woran Nachfolgen wirklich scheitern
Eine Checkliste, mit der es auf jeden Fall klappt, gibt es nicht. Steuern, Gesellschaftsrecht und Struktur kann man regeln. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Geschwistern oder zwischen Onkel und Nichte nicht. Was hilft, ist eine Gesprächskultur, die man lernen und üben muss.
Familien in der ersten bis dritten Generation fehlt dafür oft die Erfahrung. Familienunternehmen in der fünften oder sechsten Generation haben meist eigene Regeln entwickelt, an denen sie sich orientieren. Gerade bei jungen Familienunternehmen ist das Risiko deshalb hoch.
Nachfolge im Eigentum oder in der Führung?
Zwei Fragen werden oft vermischt: Wer bekommt die Anteile? Und wer führt das Unternehmen? Rüsen beobachtet, dass die Bereitschaft, operativ einzusteigen, seltener geworden ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. Damit stellen sich neue Fragen:
- Muss, wer Anteile erbt, auch in die Geschäftsführung?
- Bekommt die Schwester weniger, weil der Bruder operativ einsteigt?
- Ist das Unternehmen ein Erbteil oder eine Aufgabe?
Was geht über
- Nachfolge im Eigentum
- Anteile und damit Vermögen und Stimmrechte
- Operative Nachfolge
- Führung, Entscheidungen und Verantwortung im Alltag
Typische Frage
- Nachfolge im Eigentum
- Wie verteilen wir fair unter den Kindern?
- Operative Nachfolge
- Wer kann und will das Unternehmen führen?
Was es braucht
- Nachfolge im Eigentum
- Klare Regeln im Gesellschafterkreis
- Operative Nachfolge
- Erfahrung, Vorbereitung und Rückhalt der Familie
| Nachfolge im Eigentum | Operative Nachfolge | |
|---|---|---|
| Was geht über | Anteile und damit Vermögen und Stimmrechte | Führung, Entscheidungen und Verantwortung im Alltag |
| Typische Frage | Wie verteilen wir fair unter den Kindern? | Wer kann und will das Unternehmen führen? |
| Was es braucht | Klare Regeln im Gesellschafterkreis | Erfahrung, Vorbereitung und Rückhalt der Familie |
Ein Richtig oder Falsch gibt es laut Rüsen nicht. Jede Familie muss eine eigene Haltung finden. Deshalb gibt es so viele unterschiedliche Nachfolgemodelle.
Nachfolge ist eine Reihe von Entscheidungen
Es geht nicht um einen einzigen Termin, sondern um viele Schritte über Jahre:
- Wie bereiten wir mögliche Nachfolger:innen vor, Töchter genauso wie Söhne?
- Ab wann werden Kinder Gesellschafter:innen?
- Wann beginnt der Aufbau von Fähigkeiten, und nicht erst mit Ende 20 im Beirat?
- Wie lernen Familienmitglieder, als Team zu entscheiden, bevor sie gemeinsam führen?
Was das für dich heißt
Als Übergeber:in: Fang früh an, auch wenn es sich zu früh anfühlt. Und trenne die Frage nach dem Vermögen von der Frage, wer führen soll. Als Nachfolger:in: Frag nicht nur nach Zahlen, sondern auch danach, wie die Familie loslässt und wer künftig mitredet.
Wir bereiten beide Seiten vor, und den Betrieb auf die neue Person. Ein guter erster Schritt ist der Nachfolge-Check.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nachfolge im Eigentum und operativer Nachfolge?
Bei der Nachfolge im Eigentum gehen Anteile über, bei der operativen Nachfolge die Führung. Beides kann bei derselben Person liegen, muss es aber nicht.
Warum schieben Inhaber:innen die Nachfolge so oft auf?
Oft fehlt die innere Bereitschaft, loszulassen. Mit steigendem Alter wird der Schritt eher schwerer als leichter.
Was bedeutet Entrepreneurship Through Acquisition (ETA)?
Unternehmerisch denkende Menschen gründen nicht neu, sondern übernehmen einen bestehenden Betrieb und führen ihn als Nachfolger:innen von außen weiter.
Woran scheitern Nachfolgen in Familienunternehmen am häufigsten?
Laut Rüsen selten an Steuern oder Recht, sondern meist an den Beziehungen zwischen den beteiligten Menschen.
Quellen


