Hintergrund
Externe Unternehmensnachfolge: Nur noch jeder dritte Betrieb geht an die Familie
In Bayerisch-Schwaben übergibt nur noch jeder dritte Inhaber an die Familie, die Hälfte an jemanden von außen. Was eine externe Nachfolge anders macht und wie beide Seiten sie hinbekommen.
· 4 Min. Lesezeit
In Bayerisch-Schwaben geht nur noch rund jeder dritte Betrieb innerhalb der Familie an die nächste Generation. Die Hälfte der Inhaber übergibt an jemanden von außen. Und knapp 30 Prozent überlegen, gar nicht zu übergeben, sondern zu schließen. Die Zahlen kommen von der IHK Schwaben, die Augsburger Allgemeine hat sie Anfang Oktober veröffentlicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Externe Nachfolge heißt: Der Betrieb geht an jemanden, der weder zur Familie gehört noch im Betrieb arbeitet. Eine Gründerin, ein Ex-Gründer, eine Führungskraft von außen.
- In Schwaben läuft die Hälfte aller Übergaben inzwischen extern. Bundesweit ist die Familie laut KfW noch die Wunschlösung Nummer eins, der Verkauf nach außen wird aber jedes Jahr beliebter.
- Für Übergeber ändert sich der Weg, nicht das Ziel: früher anfangen, den Betrieb zeigen statt ein Exposé verschicken, in Etappen übergeben.
- Für Nachfolger heißt es: Die Betriebe stehen nirgends. Suchen läuft über Menschen, nicht über Suchmasken. Und Vertrauen muss erst verdient werden.
Warum die Familie immer seltener übernimmt
Ich glaube nicht, dass Schwaben ein Sonderfall ist. Bundesweit ist die Familie laut KfW zwar noch die Wunschlösung Nummer eins, aber der Verkauf nach außen wird jedes Jahr beliebter (KfW Nachfolge-Monitoring, zitiert in der Unternehmeredition). Die Kinder haben studiert, wohnen in München oder Hamburg und wollen den Betrieb nicht. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Entscheidung, die man respektieren muss.
Für Übergeber: Das ist kein Scheitern
Ich habe mit vielen Inhabern gesprochen, denen der Satz „meine Kinder wollen nicht“ schwer über die Lippen geht. Als wäre es ein Versäumnis. Ist es nicht. Ein Betrieb, der an jemanden von außen geht, wird genauso weitergeführt wie einer, der an den Sohn geht. Manchmal besser, weil die neue Person wirklich will und nicht nur muss.
Was sich ändert, ist der Weg. In der Familie kennt man sich seit 30 Jahren. Ein Externer muss erst mal reinkommen. Ins Team, zur Kundschaft, zum Steuerberater. Drei Dinge, die dabei helfen:
- Früher anfangen. Eine externe Nachfolge dauert länger als eine in der Familie, weil Vertrauen Zeit braucht. Drei Jahre vor dem Wunschtermin ist nicht zu früh.
- Den Betrieb zeigen, nicht das Exposé. Zahlen erzählen die Vergangenheit. Wer übernehmen soll, muss sehen, wie der Tag abläuft, wer die Leute sind, was den Laden ausmacht. Deshalb drehen wir ein Betriebsporträt statt ein Dossier zu schreiben.
- In Etappen übergeben. Erst mitlaufen, dann mitentscheiden, dann alleine. Niemand muss am Übergabetag alles loslassen.
Und das Team muss nichts zu früh erfahren. Wie das geht, steht im Artikel Nachfolge regeln, ohne dass das Team es erfährt.
Für Nachfolger: Die Hälfte der Betriebe sucht jemanden wie dich
Wenn die Hälfte aller Übergaben extern läuft, sind das allein in Schwaben rund 12.000 Betriebe in den nächsten Jahren, die jemanden von außen suchen. Die stehen nirgends. Der Inhaber will nicht, dass die Belegschaft über eine Börse erfährt, dass er geht.
Für dich heißt das: Suchen funktioniert über Menschen, nicht über Suchmasken. Steuerberater, Kammern, Banken. Und über Programme wie unseres, die genau diese Betriebe kennen. Wie du als Ex-Gründer oder Führungskraft von außen einsteigst, steht im Artikel Management-Buy-in für Ex-Gründer.
Und eine Sache noch. Externe Nachfolge heißt, dass du Vertrauen erst verdienen musst. Das Team hat dich nicht gewählt. Der Kunde kennt dich nicht. In den ersten hundert Tagen zählt deshalb weniger, was du änderst, als was du verstehst. Der Umbau kommt danach.
Die dritte Gruppe
Bleiben die knapp 30 Prozent, die ans Schließen denken. In Schwaben rund 7.000 Betriebe, bundesweit laut KfW 569.000 bis Ende 2029 (KfW Research, Nachfolge-Monitoring 2025). Für die meisten davon gilt: Es gäbe jemanden, der weitermachen würde. Beide wissen nur nichts voneinander. Genau da setzen wir an.
Wenn du einen Betrieb führst und noch nicht weißt, wer übernimmt: Der Nachfolge-Check dauert ein paar Minuten und kostet nichts. Wenn du übernehmen willst: Bewirb dich für die nächste Kohorte.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist eine externe Unternehmensnachfolge?
Die Übergabe eines Betriebs an jemanden, der weder zur Familie gehört noch im Betrieb angestellt ist, etwa eine Gründerin, ein Ex-Gründer oder eine Führungskraft von außen. Der Verkauf an eigene Mitarbeitende heißt Management-Buy-out, der Einstieg von außen Management-Buy-in.
Wie lange dauert eine externe Nachfolge?
Länger als eine Übergabe in der Familie, weil Vertrauen Zeit braucht. Drei Jahre vor dem Wunschtermin anzufangen ist nicht zu früh. Die eigentliche Übergabe läuft oft in Etappen über ein bis zwei Jahre.
Ist ein externer Nachfolger schlechter für den Betrieb als die Familie?
Nein. Entscheidend ist die Passung zu Team, Kundschaft und Werten, nicht die Verwandtschaft. Externe Nachfolger:innen bringen oft Tempo, neue Kunden und digitale Werkzeuge mit, die dem Betrieb fehlen.
Wie finde ich als Inhaber einen externen Nachfolger, ohne dass das Team es erfährt?
Über diskrete Wege: Steuerberatung, Kammer, Hausbank oder ein Programm wie Nachfounder, das Nachfolger:innen vorher prüft und nur wenige persönlich vorstellt. Name und Betrieb bleiben vertraulich, bis die Inhaber:in entscheidet, mit wem sie spricht.
Quellen


