Für Übergeber:innen

Nachfolge regeln, ohne dass das Team es erfährt

Viele Inhaber:innen wollen erst über die Nachfolge sprechen, wenn sie feststeht. Wie du diskret suchst, wann Vertraulichkeit endet und warum dein Team es am Ende von dir hören sollte.

· 6 Min. Lesezeit

Die Sorge ist verständlich: Wenn im Betrieb bekannt wird, dass du einen Nachfolger suchst, fragen sich Mitarbeitende, ob ihr Arbeitsplatz sicher ist. Kund:innen und Lieferanten werden unruhig, manche Wettbewerber hören zu. Darum führen viele Inhaber:innen die ersten Schritte diskret. Das ist legitim. Wichtig ist nur, dass Diskretion ein Zeitraum ist und kein Dauerzustand.

1. Klein anfangen: wer es zuerst wissen darf

Am Anfang reicht ein kleiner Kreis: deine Familie, deine Steuerberaterin oder dein Steuerberater, die Hausbank und eine Beratung, etwa die Nachfolgeberatung der Kammer. Diese Gespräche sind vertraulich und helfen dir, Wert, Zeitplan und Wunschlösung zu klären, bevor jemand im Betrieb davon hört.

2. Anonym suchen

Auf Börsen wie nexxt-change erscheinen Inserate ohne Namen. Interessierte sehen Branche, Region und Größe, aber nicht, um welchen Betrieb es geht. Ein kurzer, anonymer Steckbrief, oft Teaser genannt, funktioniert genauso. Erst wer ernsthaft interessiert ist und eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreibt, bekommt das ausführliche Exposé mit Namen und Zahlen.

3. Gespräche außerhalb des Betriebs

Die ersten Treffen finden am besten nicht in der Werkstatt oder im Büro statt, sondern bei der Steuerberatung, in einem Besprechungsraum oder abends. Wenn eine Besichtigung nötig ist, kann sie außerhalb der Arbeitszeit stattfinden, oder der Besuch wird als Gespräch mit einer Beraterin oder einem Kunden eingeführt. Bleib dabei bei der Wahrheit: Lügen fallen später auf dich zurück.

4. Schlüsselpersonen früh einbinden

Fast jeder Betrieb hat ein bis zwei Menschen, ohne die nichts läuft: die Meisterin, den Werkstattleiter, die Frau im Büro, die alle Kunden kennt. Ernsthafte Interessent:innen werden genau nach ihnen fragen. Überlege früh, ob du diese Personen vor allen anderen ins Vertrauen ziehst. Oft sind sie sogar selbst mögliche Nachfolger:innen, siehe Nachfolger finden.

5. Wann Vertraulichkeit endet

Spätestens wenn klar ist, wer übernimmt, sollte dein Team es von dir hören, nicht über Gerüchte. Bei einem Asset Deal gibt es dafür auch eine Pflicht: Geht der Betrieb auf neue Inhaber:innen über, müssen die Beschäftigten vorher in Textform über Zeitpunkt, Grund und Folgen informiert werden. Sie können dem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses innerhalb eines Monats widersprechen (§ 613a BGB).

Die beste Ankündigung kommt von dir und deinem Nachfolger gemeinsam. Sie sagt, was bleibt, was sich ändert und wann. Sie zeigt, dass du den Betrieb in gute Hände gibst. Wie du die Zeit danach gestaltest, liest du in Nachfolge in Ruhe planen.

Kurz zusammengefasst

  • Diskret anfangen ist in Ordnung, ein kleiner Kreis von Vertrauten reicht.
  • Anonym inserieren, Namen und Zahlen erst nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung.
  • Schlüsselpersonen früh mitdenken.
  • Das Team vor der Übergabe selbst informieren, beim Asset Deal schriftlich und rechtzeitig.

Dieser Text gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.

Begriffe im Glossar: Vertraulichkeitsvereinbarung, Teaser, Exposé, Nachfolgebörse, Betriebsübergang, Asset Deal.

FAQ

Häufige Fragen

Muss ich meine Mitarbeitenden über die Nachfolgesuche informieren?

Über die Suche selbst nicht. Wenn der Betrieb aber per Asset Deal auf neue Inhaber:innen übergeht, müssen die Beschäftigten vorher in Textform über Zeitpunkt, Grund und Folgen informiert werden (§ 613a BGB).

Wie inseriere ich meinen Betrieb anonym?

Über Börsen wie nexxt-change oder über die Kammer mit einem anonymen Steckbrief. Er nennt Branche, Region und Größe, aber keinen Namen. Details gibt es erst nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung.

Was steht in einer Vertraulichkeitsvereinbarung?

Dass Interessent:innen alle Informationen über deinen Betrieb vertraulich behandeln, nur für die Prüfung der Übernahme nutzen und nicht weitergeben. Oft ist auch geregelt, dass sie Mitarbeitende und Kund:innen nicht direkt ansprechen.

Wann sollte ich mein Team informieren?

Sobald feststeht, wer übernimmt, und bevor es Gerüchte gibt. Am besten gemeinsam mit dem Nachfolger, persönlich und mit klaren Aussagen dazu, was bleibt.

Kontakt

Kunden, Team, Cashflow. Ab Tag eins.