Branche
Nachfolge im Handwerk: Betrieb übergeben oder übernehmen
Im Handwerk gelten bei der Nachfolge eigene Regeln. Hier erfährst du, was die Meisterpflicht bedeutet, wer dich berät und wie eine Übernahme finanziert wird.
Stand: Oktober 2026 · Ein Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Kurz gesagt
Im deutschen Handwerk sind gut eine Million Betriebe eingetragen. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks suchen in den nächsten fünf Jahren mindestens 125.000 Familienbetriebe eine Nachfolge. Die größte Hürde ist, überhaupt passende Nachfolger:innen zu finden.
Du musst nicht selbst Meister:in sein, um einen Handwerksbetrieb zu übernehmen. In zulassungspflichtigen Gewerken braucht der Betrieb aber eine qualifizierte Betriebsleitung. Beraten kann dich die Handwerkskammer, finanzieren helfen KfW-Förderkredite und Bürgschaftsbanken.
- 01
Meisterpflicht und Betriebsleiter-Modell
Die Handwerksordnung unterscheidet zulassungspflichtige Handwerke (Anlage A), etwa Elektro, Sanitär, Heizung und Klima oder Kfz, und zulassungsfreie Handwerke (Anlage B1). Nur für Anlage A gilt die Meisterpflicht. Ende 2025 betraf das rund 641.000 der gut 1,03 Millionen Betriebe.
Eingetragen wird ein Betrieb, wenn die Betriebsleitung die Voraussetzungen erfüllt (§ 7 Handwerksordnung). Als Inhaber:in ohne Meisterbrief kannst du also eine Meisterin oder einen Meister als technische Betriebsleitung anstellen. Diese Person muss fest angestellt sein und den Betrieb an den Werktagen tatsächlich fachlich leiten. Ein Name auf dem Papier reicht nicht.
Daneben gibt es die Ausübungsberechtigung für erfahrene Gesell:innen und die Ausnahmebewilligung der Kammer. Welcher Weg passt, klärst du früh mit deiner Handwerkskammer.
§ 7 HwO · Bundesportal: Betriebsleiter · HWK Kassel: Ohne Meisterbrief
- 02
Nachfolgeberatung der Handwerkskammer
Jede Handwerkskammer hat Betriebsberater:innen, die bei der Übergabe helfen: bei der Frage, wann und an wen übergeben wird, bei der Bewertung des Betriebs und bei der Suche über Betriebsbörsen. Für die Unternehmensbewertung nutzen sie häufig das AWH-Verfahren, ein im Handwerk verbreitetes Bewertungsverfahren.
In einer Umfrage des ZDH nannten Inhaber:innen ihre Steuerberatung als erste Anlaufstelle, die Angebote von Kammern und Verbänden wurden aber ebenfalls häufig genutzt und überwiegend gut bewertet. Gute Erfahrung: Beides kombinieren und früh anfangen.
- Zeitplan und Wunschlösung klären
- Unternehmenswert ermitteln lassen
- Betrieb anonym in einer Börse inserieren
- Fragen zur Handwerksrolle bei einem Inhaberwechsel
ZDH: Sonderumfrage Betriebsnachfolge · ZDH: Betriebsnachfolge
- 03
Typische Betriebsgrößen
Das Handwerk ist kleinteilig. Rund 1,04 Millionen Betriebe mit zusammen rund 6 Millionen Beschäftigten ergeben rechnerisch etwa sechs Menschen je Betrieb. Viele Betriebe sind deutlich kleiner, einige deutlich größer.
Für eine Übernahme durch eine externe Person sind vor allem Betriebe interessant, die ohne die Inhaberin funktionieren können: mit eigenem Team, festen Kund:innen und stabilen Abläufen. Sehr kleine Betriebe hängen oft stark an der Person und werden eher an Familie oder Mitarbeitende übergeben. Unser Schwerpunkt liegt bei inhabergeführten Betrieben mit etwa 5 bis 100 Mitarbeitenden.
- 04
Finanzierung: KfW und Bürgschaftsbanken
Der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW finanziert bis zu 500.000 Euro und höchstens 35 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Hausbank ist dabei zu 100 Prozent durch eine Bürgschaftsbank abgesichert. Du beantragst ihn über deine Hausbank.
Fehlen Sicherheiten, können die Bürgschaftsbanken der Länder Kredite verbürgen. Die Bürgschaftsbank NRW bietet zum Beispiel eine eigene Nachfolge-Bürgschaft mit 50 bis 80 Prozent Verbürgung und bis zu 2 Millionen Euro. Die Bedingungen unterscheiden sich je Bundesland, die Förderbanken und Bürgschaftsbanken deines Landes findest du auf unseren Regionalseiten.
Oft ergänzt ein Verkäuferdarlehen die Finanzierung: Die bisherige Inhaberin stundet einen Teil des Kaufpreises. Das zeigt der Bank, dass sie an die Nachfolge glaubt.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Kann ich einen Handwerksbetrieb ohne Meisterbrief übernehmen?
Ja. In zulassungsfreien Handwerken brauchst du keinen Meisterbrief. In zulassungspflichtigen Handwerken muss eine qualifizierte Betriebsleitung den Betrieb fachlich führen, etwa eine angestellte Meisterin oder ein angestellter Meister.
Wie viele Handwerksbetriebe suchen eine Nachfolge?
Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks suchen in den nächsten fünf Jahren mindestens 125.000 Familienbetriebe eine Nachfolge, in der Familie, in der Belegschaft oder extern.
Was kostet die Nachfolgeberatung der Handwerkskammer?
Das regelt jede Kammer selbst. Frag bei deiner Handwerkskammer nach den Konditionen für Erstgespräch, Bewertung und Begleitung.
Welche Förderung gibt es für die Übernahme eines Handwerksbetriebs?
Vor allem den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW mit bis zu 500.000 Euro, dazu Programme der Landesförderbanken und Bürgschaften der Bürgschaftsbanken. Alles läuft über deine Hausbank.
Was ist das AWH-Verfahren?
Ein Verfahren zur Bewertung von Handwerksbetrieben, das die Berater:innen der Handwerksorganisation häufig nutzen. Es orientiert sich an den künftig erzielbaren Erträgen des Betriebs.
Wie geht es für dich weiter?
Quellen
- ZDH: Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks 2025
- ZDH: Betriebsnachfolge
- ZDH: Sonderumfrage Betriebsnachfolge im Handwerk (2021)
- ifh Göttingen: Unternehmensübergaben im Handwerk bis 2030 (2021)
- § 7 Handwerksordnung
- Bundesportal: Erklärung handwerklicher Betriebsleiter
- KfW: ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077)
- Bürgschaftsbank NRW: Nachfolge-Bürgschaft
